Die Frage klingt einfach, hat aber drei richtige Antworten. Die Pylone der Köhlbrandbrücke ragen 135 Meter über das mittlere Tidehochwasser. Die Fahrbahn liegt gut 50 Meter darunter. Und die Durchfahrtshöhe für Schiffe – die Zahl, auf die es wirtschaftlich ankommt – beträgt rund 51 Meter.
Wer im Netz sucht, findet außerdem regelmäßig 53 Meter. Auch das ist keine Erfindung. Warum sich die Werte unterscheiden, ist keine Erbsenzählerei: An genau dieser Frage hängt, ob die Brücke stehen bleibt oder abgerissen wird.
Die kurze Antwort
- Pylonhöhe: 135 m über mittlerem Tidehochwasser
- Durchfahrtshöhe: rund 51 m über mittlerem Hochwasser, rund 55,3 m über LAT
- Fahrbahnhöhe: gut 50 m über dem Köhlbrand
- Gesamtlänge: 3.618 m
- Hauptspannweite: 325 m
Warum es drei verschiedene Höhen gibt
135 Meter: die Pylone
Das ist die Zahl, die man meint, wenn man die Brücke als Bauwerk misst. Zwei A-förmige Stahlpylone tragen die Fahrbahn an 88 Seilen von bis zu zehn Zentimetern Durchmesser. Mit 135 Metern überragen sie den Michel um drei Meter – ein Größenverhältnis, das man vom Boden aus kaum glaubt, weil die Brücke im Hafen ohne Bezugsgrößen steht.
Gut 50 Meter: die Fahrbahn
Die Höhe, die man tatsächlich erlebt, wenn man hinüberfährt. Sie ergibt sich aus der Durchfahrtshöhe plus der Konstruktionshöhe des Fahrbahnträgers – der Hohlkasten misst 3,52 Meter. Diese Höhe ist auch der Grund für die Länge des Bauwerks: Von den 3.618 Metern sind nur 520 die eigentliche Schrägseilbrücke. Der Rest sind Rampen, die die Höhe über flaches Hafengelände wieder abbauen müssen, mit maximal vier Prozent Steigung.
51 Meter: die Durchfahrtshöhe
Die einzige Zahl mit wirtschaftlicher Bedeutung. Der Köhlbrand ist die Hauptzufahrt zum Containerterminal Altenwerder und zu den Harburger Häfen; jedes Schiff, das dorthin will, muss unter der Brücke hindurch. Damit deckelt die Durchfahrtshöhe die Größe der Schiffe, die diese Terminals anlaufen können.
Warum die Durchfahrtshöhe zwei Zahlen hat
Eine Durchfahrtshöhe ist immer ein Abstand zwischen zwei Dingen: der Unterkante des Bauwerks und dem Wasser. Das Bauwerk steht fest, das Wasser nicht. Die Elbe ist an dieser Stelle ein Tidegewässer mit einem Hub von mehreren Metern – je nachdem, welchen Wasserstand man als Bezug nimmt, ändert sich die Zahl.
- Rund 51 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW). Der ungünstige Fall: Bei Hochwasser ist der Abstand am kleinsten.
- Rund 55,3 Meter über LAT – dem niedrigsten astronomisch möglichen Gezeitenwasserstand. LAT ist der international übliche Bezug für Durchfahrtshöhen in Seekarten.
Für die Frage, ob ein bestimmtes Schiff passt, zählt der ungünstigste Fall – also der Wert bei Hochwasser. Ein Kapitän, der mit 55,3 Metern plant, plant mit einer Zahl, die zweimal täglich nicht gilt.
Und die 53 Meter?
Die Zahl steht in vielen Reiseführern und auf zahlreichen Webseiten. Sie liegt zwischen den beiden belegbaren Bezugswerten, und ein sauberer Nachweis, auf welchen Pegel sie sich bezieht, ist uns nicht bekannt. Wer eine Angabe braucht, auf die er sich stützen kann, nimmt 51 Meter über MHW – das ist der Wert, mit dem auch die Argumentation für den Ersatzneubau geführt wird.
Alle Maße im Überblick
- Gesamtlänge: 3.618 m
- Strombrücke: 520 m, Stahlschrägseilbrücke
- Ostrampe: 2.050 m, Stahl- und Spannbeton
- Westrampe: 1.048 m, Spannbeton
- Hauptspannweite: 325 m
- Pylonhöhe: 135 m über Tidehochwasser
- Durchfahrtshöhe: rund 51 m über MHW, rund 55,3 m über LAT
- Fahrbahnbreite: 17,6 m, vier Fahrstreifen
- Höhe des Hohlkastens: 3,52 m
- Tragseile: 88 Stück, bis 10 cm Durchmesser
- Maximale Steigung der Rampen: 4 %
- Verbaute Menge: rund 81.000 m³ Beton, 12.700 t Stahl
- Bauzeit: 1970 bis 1974, Verkehrsfreigabe am 23. September 1974
- Baukosten: 160 Mio. DM (veranschlagt waren 76 Mio.)
Wie sich diese Höhen einordnen
Als die Brücke 1974 freigegeben wurde, war sie mit knapp vier Kilometern die längste Brücke Deutschlands und die viertgrößte Schrägseilbrücke Europas. 1975 erhielt sie in Torremolinos den Europäischen Stahlbaupreis als schönste Brücke des Kontinents.
Für die Durchfahrtshöhe gilt das Gegenteil. Sie war 1974 großzügig bemessen – gemessen an den Containerschiffen der Zeit. Moderne Großcontainerschiffe sind seither so gewachsen, dass 51 Meter nicht mehr reichen. Die Nachfolgerin ist deshalb auf rund 73,5 Meter über NHN ausgelegt: gut 22 Meter mehr, bei einer Fahrbahn, die dann etwa 80 Meter über dem Wasser liegen wird.
Warum die Höhe über das Schicksal der Brücke entscheidet
Für das Ende der Köhlbrandbrücke gibt es zwei Gründe, und nur einer davon ist der bauliche Zustand. Der zweite ist diese Höhe – und der lässt sich durch keine Sanierung beheben. Man kann Rampen erneuern, Seile tauschen und Pfeiler ertüchtigen; man kann eine fertige Brücke nicht 22 Meter höher legen.
Deshalb geht das Argument, die Brücke ließe sich erhalten, an der Sache vorbei, solange es nur den Zustand betrachtet. Eine sanierte Köhlbrandbrücke wäre ein erhaltenes Wahrzeichen – und dieselbe Engstelle vor Altenwerder. Ausführlich dazu: die neue Köhlbrandbrücke.
Bis der Ersatz steht, muss die alte Brücke halten. Was das an Lastbeschränkungen und Wochenendsperrungen bedeutet, steht unter Sperrungen der Elbquerungen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Köhlbrandbrücke genau?
Die Pylone messen 135 Meter über mittlerem Tidehochwasser. Die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt liegt bei rund 51 Metern über mittlerem Hochwasser beziehungsweise 55,3 Metern über LAT.
Wie hoch fährt man auf der Köhlbrandbrücke?
Gut 50 Meter über dem Wasser. Die Rampen bauen diese Höhe auf rund drei Kilometern ab, mit maximal vier Prozent Steigung.
Wie lang ist die Köhlbrandbrücke?
3.618 Meter insgesamt. Davon entfallen 520 Meter auf die Schrägseilbrücke über dem Köhlbrand, der Rest auf die beiden Rampen.
Wie hoch wird die neue Köhlbrandbrücke?
Die Durchfahrtshöhe soll bei rund 73,5 Metern über NHN liegen, die Fahrbahn etwa 80 Meter über dem Wasser.
Warum ist die Köhlbrandbrücke so hoch gebaut worden?
Weil der Köhlbrand eine Wasserstraße bleiben musste. Eine Klappbrücke hätte den Schiffsverkehr unterbrochen, ein Tunnel galt Ende der 1960er Jahre als zu teuer. Blieb eine Hochbrücke, deren Durchfahrtshöhe sich an den größten Schiffen der Zeit orientierte.
Quellen
Grundlage dieses Beitrags sind die Angaben der Hamburg Port Authority, der ReGe Hamburg als Projektträgerin der Köhlbrandquerung und der Freien und Hansestadt Hamburg. Wie wir arbeiten und wie oft wir nachführen, steht unter Quellen & Arbeitsweise.



