Pylon und Schrägseile der bestehenden Köhlbrandbrücke von 1974, fotografiert vom Ufer bei Neuhof – nicht der Siegerentwurf

Siegerentwurf: So sieht die neue Köhlbrandbrücke aus

6 Min. Lesezeit

Am 10. Juni 2026 war die Frage beantwortet, die seit dem Beschluss für die neue Köhlbrandquerung offen war: Wie wird sie aussehen? Eine 21-köpfige Jury kürte einstimmig den Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft aus fünf Büros – aus sieben eingereichten Konzepten.

Die kurze Antwort: Sie sieht der alten ähnlich. Zwei Pylone, dazwischen ein Feld aus Schrägseilen. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern eine Entscheidung – und die interessanteren Unterschiede liegen woanders.

Zum Bild auf dieser Seite: Es zeigt die alte Köhlbrandbrücke, nicht den Siegerentwurf. Die Visualisierungen des Entwurfs sind urheberrechtlich geschützt und lassen sich hier nicht zeigen – öffentlich zu sehen sind sie in der Rathausdiele des Hamburger Rathauses. Das Foto zeigt die Grundform, auf die sich der Entwurf bezieht.

Hinweis der Redaktion

Wer den Entwurf gemacht hat

Gewonnen hat eine Arbeitsgemeinschaft aus fünf Häusern, drei davon Ingenieurbüros, zwei aus der Architektur und Landschaftsplanung:

  • sbp – schlaich bergermann partner, ein Ingenieurbüro, das seinen Ruf mit leichten, seilverspannten Tragwerken gemacht hat.
  • Grassl – Ingenieurbüro Grassl, im Brücken- und Ingenieurbau langjährig für öffentliche Bauherren tätig.
  • WTM Engineers – Hamburger Ingenieurbüro für Tragwerksplanung.
  • gmp – von Gerkan, Marg und Partner, das bekannteste Hamburger Architekturbüro.
  • PPL – für die landschaftsplanerische Einbindung.

Die Zusammensetzung sagt etwas über die Aufgabe. Ein Bauwerk von fünf Kilometern Länge im laufenden Hafenbetrieb ist zuerst eine Ingenieurleistung. Dass zwei gestaltende Büros mit am Tisch saßen, liegt daran, dass die Vorgängerin ein Wahrzeichen war – und die Nachfolgerin eines werden soll.

Die neue Köhlbrandbrücke wird wieder ein Hamburger Wahrzeichen werden!

Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor

Wie die neue Brücke aussehen soll

Die Silhouette bleibt

Der Entwurf übernimmt die Grundform der Bestandsbrücke: zwei Pylone, an denen die Fahrbahn in Schrägseilen hängt. Der Oberbaudirektor lobte die klare und elegante Form und die sorgfältig durchdachte Konstruktion.

Das ist bemerkenswert, weil es nicht selbstverständlich war. Ein Wettbewerb für ein Milliardenbauwerk hätte auch eine bewusst andere Formensprache hervorbringen können. Stattdessen zitiert der Siegerentwurf das, was verschwindet – ohne es zu kopieren. Dieselbe Grundform, zeitgenössisch ausgeführt.

Was größer wird

Die Ähnlichkeit endet bei den Maßen. Die neue Brücke ist in jeder Dimension größer, und zwar aus einem einzigen Grund: der Durchfahrtshöhe. Sie steigt auf rund 73,5 Meter über NHN, gut 22 Meter mehr als heute – und jede zusätzliche Höhe erzwingt längere Rampen, um sie wieder abzubauen.

  • Gesamtlänge: rund 5.000 m statt 3.618 m
  • Hauptspannweite: 400 m statt 325 m
  • Durchfahrtshöhe: rund 73,5 m über NHN statt rund 51 m über MHW
  • Fahrbahnhöhe: etwa 80 m über dem Wasser
  • Bauzeit: rund 8 Jahre statt 4
  • Kostenrahmen: 4,4 bis 5,3 Mrd. Euro statt 160 Mio. DM

Die 400 Meter Hauptspannweite sind dabei kein Selbstzweck: Je weiter die Pylone auseinanderstehen, desto weniger stört das Bauwerk die Fahrrinne darunter. Warum es zur Höhe der alten Brücke mehrere kursierende Zahlen gibt, steht im Beitrag Wie hoch ist die Köhlbrandbrücke?.

Der eigentliche Bruch: weniger Stahl

Das Merkmal, das die Bauherrin bei der Vorstellung hervorhob, sieht man dem Entwurf nicht an. Er setzt CO₂-intensive Baustoffe – vor allem Stahl – gezielt reduziert und effizienter ein.

Dass ein Brückenentwurf über eingesparten Stahl argumentiert und nicht über einen Spannweitenrekord, war vor zwanzig Jahren noch unüblich. Es ist auch das Argument, das der schärfsten Kritik am Projekt entgegenkommt: Der Denkmalverein Hamburg führt gegen den Abriss die graue Energie ins Feld, die in der alten Brücke steckt. Ein Neubau, der weniger Material verbaut, entkräftet diesen Einwand nicht – aber er verkleinert ihn.

Belastbare Zahlen dazu gibt es noch nicht. Wie viel Stahl gegenüber einer konventionellen Ausführung tatsächlich eingespart wird, zeigt sich erst in der Entwurfsplanung.

Wie das Verfahren lief

Vergeben wurde im wettbewerblichen Dialog, gestartet am 16. Oktober 2024. Dabei geben Planungsteams nicht einfach Angebote ab, sondern entwickeln ihre Entwürfe über mehrere Runden gemeinsam mit der Bauherrin weiter. Das kostet Zeit im Verfahren und spart sie später, weil Konflikte früh auffallen.

Sieben Bietergemeinschaften aus Ingenieur- und Architekturbüros reichten Konzepte für Brücke und Rampen ein. Die 21-köpfige Jury aus Fachleuten und Vertretern der Bürgerschaftsfraktionen entschied einstimmig – bei einem Projekt dieser Größe und mit dieser Beteiligung ist das ungewöhnlich.

Vorausgegangen war eine Grundsatzentscheidung, die jahrelang offen war: ob überhaupt gebrückt oder untertunnelt wird.

Wo man die Entwürfe sehen kann

In der Rathausdiele des Hamburger Rathauses sind Visualisierungen ausgestellt – nicht nur des Siegerentwurfs, sondern aller sieben eingereichten Konzepte. Das ist der interessantere Teil: Man sieht, welche Formensprachen zur Wahl standen und wogegen sich die Jury entschieden hat.

Die Ausstellung ist derzeit die einzige Möglichkeit, den Entwurf in Ruhe anzusehen. Frei nutzbare Abbildungen gibt es nicht – deshalb steht auf dieser Seite ein Foto der Bestandsbrücke und keine Visualisierung.

Was jetzt noch offen ist

Ein Siegerentwurf ist kein Bauplan. Zwischen ihm und dem ersten Spatenstich liegen Entwurfs- und Genehmigungsplanung, das Planfeststellungsverfahren und die Vergabe der Bauleistungen.

  • Antrag auf Planfeststellung: bis 2030
  • Planfeststellungsbeschluss: Anfang der 2030er Jahre
  • Bauzeit: rund 8 Jahre
  • Verkehrsfreigabe: gegen Ende der 2030er Jahre
  • Abriss der alten Brücke und Gesamtfertigstellung: Mitte der 2040er Jahre

Zu diesen Terminen gehört eine Warnung: Sie haben sich mehrfach verschoben, und die Quellen weichen voneinander ab. Belastbar ist die Größenordnung, nicht das Jahr. Bis dahin trägt die alte Brücke weiter – mit wachsenden Einschränkungen, deren Termine unter Sperrungen der Elbquerungen stehen.

Häufige Fragen

Wer hat den Wettbewerb für die neue Köhlbrandbrücke gewonnen?

Eine Arbeitsgemeinschaft aus sbp (schlaich bergermann partner), Grassl, WTM Engineers, gmp und PPL. Die Entscheidung fiel am 10. Juni 2026 einstimmig.

Sieht die neue Brücke aus wie die alte?

Sie greift die Grundform auf – zwei Pylone mit Schrägseilen –, ist aber keine Kopie. Die Maße unterscheiden sich deutlich: 400 statt 325 Meter Hauptspannweite und rund 22 Meter mehr Durchfahrtshöhe.

Wie hoch wird die neue Köhlbrandbrücke?

Die Durchfahrtshöhe soll bei rund 73,5 Metern über NHN liegen, die Fahrbahn etwa 80 Meter über dem Wasser.

Kann man den Siegerentwurf irgendwo sehen?

Ja, in der Rathausdiele des Hamburger Rathauses. Ausgestellt sind Visualisierungen aller sieben eingereichten Konzepte.

Bekommt die neue Brücke einen Rad- und Fußweg?

Dazu liegt nach der Entwurfsentscheidung keine belastbare öffentliche Angabe vor. Wir tragen es nach, sobald die Entwurfsplanung dazu etwas hergibt.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags sind die Mitteilungen der Freien und Hansestadt Hamburg zur Entwurfsentscheidung vom 10. Juni 2026, Angaben der Hamburg Port Authority und der ReGe Hamburg als Projektträgerin. Wie wir arbeiten und wie oft wir nachführen, steht unter Quellen & Arbeitsweise.